Das Fleisch der Turopolje-Schweine enthält zwar mehr Fett als jenes von anderen Rassen, dafür ist es aber sehr schmackhaft und gilt als qualitativ hochwertig.

 

Turopolje ist eine alte Schweinerasse und stammt ursprünglich aus Kroatien. Diese Schweine gelten als widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen. Typisch sind die unterschiedlich großen schwarzen Flecken am Körper. Die Wurfgröße liegt bei sechs bis acht Ferkeln mit ein bis zwei Würfen pro Jahr. Die Turopolje-Sau hat eine kleinere Wurfgröße mit maximal acht Ferkeln pro Wurf, bei modernen Rassen sind es bis zu 18 Ferkel. Kennzeichnend für diese Gattung ist die gute Muttereigenschaft.

Turopolje zählen zum Typ des klassischen Fettschweines und zeichnen sich durch ihre Leichtfüttrigkeit, aber auch die anscheinende Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitserregern und ihre minimale Stressanfälligkeit aus. Die Rasse zählt laut FAO zu den bedrohten Nutzungsrassen.

Heute geht der Trend beim Fleischkonsum immer mehr in Richtung fettarm, wobei das Fleisch jedoch an Schmackhaftigkeit und Saftigkeit verliert, da Fett ein idealer Geschmacksträger ist. Bei Turopolje hingegen sind Fleisch und Speck durch den hohen Fettgehalt hoch-qualitativ. Daher werden diese Schweine in manchen Regionen jetzt wieder verstärkt gezüchtet.

Studie

Ines Carolina Ballweg hat in ihrer Dissertation[1] untersucht, ob sich moderne und alte Schweinerassen in ihrer Immunkompetenz bei konventioneller Stallhaltung unterscheiden. Als Stellvertreter der alten Rasse wurden Turopolje, die aus Kroatien stammende, kaum domestizierte, in Wäldern lebende Schweinerasse erforscht. Als Vergleich wurde das klassische Hybridschwein (Deutsches Landschwein x Pietrain) ausgewählt und die Kreuzung Deutsches Landschwein x Turopolje untersucht.

Fleischqualität

Die Fleischqualität hängt nicht nur von der Fütterung und den gesamten Lebensbedingung der Schweine im Mastbetrieb ab sondern auch von verschiedenen anderen Faktoren.

Stress kann die Fleischqualität beträchtlich mindern. Schweine sind häufig verschiedensten Stressfaktoren ausgesetzt wie zum Beispiel beim Umstallen oder Zusammenstallen mit fremden Schweinen, aber auch bei Transporten und am Weg zum Schlachthof. Starker Stress kann sogar zum Tod der Tiere führen. Bei Stress sind nicht nur Hormone beteiligt, sondern das ganze immunologische, zentralnervöse und hormonelle System spielen zusammen.

Turopolje ist eine sehr stressresistente Schweinesorte, zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie von Ines Carolina Ballweg.[2]

Ein wesentlicher Indikator für gute Fleischqualität ist der Tropfsaftverlust, der unter anderem im Zusammenhang mit der Stresslabilität der Tiere steht. Dieser Indikator bezieht sich auf die Fähigkeit des Fleisches, Wasser, sei es eigenes oder zugesetztes, ganz oder teilweise zu halten.[3]

Aber auch das intramuskuläre Fett (IMF) und die Leitfähigkeit sind Qualitätsmerkmale. Das IMF ist für Weichheit und Konsistenz des Fleisches verantwortlich und sollte mindestens 1,5 Prozent betragen, um als geschmacklich gut eingestuft zu werden.[4] Turopolje weisen einen höheren Wert an IMF auf als die modernen Rassen, wodurch die Fleischqualität als hervorragend gilt. Auch dies zeigt die Studie im Rahmen der Dissertation von Frau Dr. Ballweg.

Die Fleischqualität der Turopolje Schweine steht im Vergleich zu Hybridschwein und der Kreuzung von Landschwein und Turopolje aus physikalischer und chemischer Sicht Turopolje am besten da.[5]

Aufgrund des Fett-Fleisch-Verhältnisses eignen sich Turopolje Schweine jedoch nicht für die konventionelle Mast.



[1] Ines Carolina Ballweg: „Vergleich der Immunkompetenz, Mastleistung und Fleischqualität der Rassen Turopolje, Hybridschweine (Deutsche Landrasse x Pietrain) und der Kreuzungsrasse Deutsche Landrasse x Turopolje“, Dissertation, München 2013, Inaugural-Dissertation zur Erlangung der tiermedizinischen Doktorwürde der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.

 

[2] Vgl. Ballweg, S. 135

[3] Dudenhoff J. Schuster, M., Wittmann, W., Littmann, E., Lindner, J.-P., Götz, K.-U. (2011): Leistungsprüfung und    Zuchtwertschätzung für Tropfsaftverlust beim Schwein in Bayern. Züchtungskunde: 142–152. Zitiert nach Ballweg, S. 30

[4] Vgl. Fortin A. Robertson, W.M:, Tong, A.K.W. (2005): The eating quality of Canadian

pork and its relationship with intramuscular fat. Meat Science: 297-305. Zitiert nach Ballweg, S. 30

[5] Vgl. Ballweg, S. 135